Die wichtigsten Punkte

  • Lieferung des Prototyps: Deep Fission hat in Parsons, Kansas, den originalgetreuen Behälter seines Reaktors fertiggestellt und dabei die Druckprüfungen sowie die Fertigungstests erfolgreich bestanden.
  • Technologie: Der Gravity Nuclear Reactor™, ein Druckwasserreaktor (PWR) mit niedrig angereichertem Uran und einer Leistung von 15 MWe, wird in 1,6 km Tiefe installiert und nutzt dabei den natürlichen hydrostatischen Druck.
  • Institutionelle Unterstützung: Das Projekt ist Teil des Reactor Pilot Program des US-Energieministeriums, mit Absichtserklärungen für eine potenzielle Gesamtkapazität von 18,5 GW.

Das kalifornische Unternehmen Deep Fission hat am 7. Juli 2026 die Lieferung des Prototyps seines unterirdischen Kernreaktors am Standort Parsons in Kansas bekanntgegeben. Der vollständig werksgefertigte Metallbehälter in Originalgröße hat sowohl die Fertigungstests als auch die hydrostatischen Druckprüfungen erfolgreich bestanden. Die Struktur ist nun bereit für die Phase der nicht-nuklearen Tests. Das Unternehmen feierte diesen Meilenstein mit dem Läuten der Schlussglocke an der Nasdaq.



Deep Fission: Prototyp eines unterirdischen Kernreaktors ... - Foto 1

Die Funktionsweise des Schwerkraftreaktors

Kern der von Deep Fission entwickelten Technologie ist der Gravity Nuclear Reactor™, ein kleiner Druckwasserreaktor (PWR), der mit niedrig angereichertem Uran (LEU) betrieben wird und pro Einheit 15 MWe erzeugt. Das Besondere an diesem Projekt betrifft seinen Standort: Der Reaktor wird in einen Schacht von etwa 1,6 Kilometern Tiefe unter der Erdoberfläche abgesenkt.

Diese Tiefe ist kein Nebendetail. Eine Wassersäule von rund einer Meile Höhe umgibt den Reaktor und erzeugt auf natürliche Weise die für den Betrieb erforderlichen 160 Atmosphären Druck, ohne dass oberirdische Druckbehälter-Strukturen notwendig wären. Die vom Reaktorkern erzeugte Wärme wird über einen geschlossenen Kreislauf zu einem unterirdischen Wärmetauscher geleitet. Ein zweiter Kreislauf transportiert die Wärme zurück an die Oberfläche, wo sie die Stromgeneratoren antreibt. Das angewandte Prinzip erinnert stark an die Mechanismen moderner Geothermie.

Sicherheit, Flächenbedarf und industrielle Perspektiven

Die unterirdische Platzierung bietet nach Angaben der Entwickler eine passive Abschirmung und eine natürliche Eindämmung im Falle eines Störfalls, dank des umgebenden Gesteins. Der Verzicht auf oberirdische Druckbehälter, wie sie bei herkömmlichen Reaktoren üblich sind, könnte laut Unternehmensschätzungen die Betriebskosten um bis zu 80 % senken. Der Flächenbedarf fällt gering aus: An einem einzigen Standort könnten theoretisch 100 Reaktoren installiert werden, was einer Gesamtkapazität von 1,5 GWe entspräche.



Deep Fission: Prototyp eines unterirdischen Kernreaktors ... - Foto 2

Das Projekt hat konkrete politische Unterstützung erhalten, da es in das Reactor Pilot Program des US-Energieministeriums aufgenommen wurde, das durch die Executive Order 14301 eingerichtet wurde. Deep Fission hat bereits unverbindliche Absichtserklärungen mit Rechenzentren und Industriepartnern unterzeichnet, die eine potenzielle Gesamtkapazität von 18,5 GW umfassen.

Die noch offenen Fragen

Vorsichtigere Beobachter weisen auf die Risiken hin, die mit der beschleunigten Einführung von Technologien verbunden sind, die noch nicht im kommerziellen Maßstab getestet wurden. Das Projekt befindet sich in einer frühen Phase: Deep Fission muss noch die technische Machbarkeit des großkalibrigen Bohrschachts sowie die Zuverlässigkeit des Betriebs in einer Tiefe von einer Meile unter Beweis stellen. Zudem ist weiterhin eine kommerzielle Lizenz der Nuclear Regulatory Commission (NRC) erforderlich, die für die erste Hälfte des Jahres 2027 erwartet wird.



Deep Fission: Prototyp eines unterirdischen Kernreaktors ... - Foto 3

Das 2023 von Elizabeth und Richard Muller gegründete Unternehmen strebt an, seinen ersten kommerziellen Reaktor bis 2029 in Betrieb zu nehmen. Der in Parsons gelieferte Prototyp stellt die erste konkrete Bestätigung eines Modells dar, das die nukleare Infrastruktur unter die Erdoberfläche verlagert, anstatt sie darüber zu errichten.