Das Wichtigste in Kürze

  • Gesamtinvestition: Seoul stellt 1.558 Billionen Won (über 1.000 Milliarden Dollar) für die am 29. Juni 2026 angekündigten "Three Mega Projects" bereit.
  • Technologie und Infrastruktur: Vier neue Halbleiterwerke in der Region Honam, Entwicklung physischer KI sowie KI-Rechenzentren mit einer Kapazität von bis zu 18,4 GW bis 2035.
  • Marktauswirkungen: SK Hynix übersteigt eine Marktkapitalisierung von 1.000 Milliarden Dollar, südkoreanische Exporte erstmals über 100 Milliarden Dollar monatlich.

Der Billionen-Dollar-Plan

Südkoreas Präsident Lee Jae-myung hat am 29. Juni 2026 die "Three Mega Projects" vorgestellt, ein öffentlich-privates Investitionspaket im Umfang von 1.558 Billionen Won. Ziel ist es, binnen drei Jahren jene Produktionskapazität aufzubauen, für die Südkorea in der Nachkriegszeit 43 Jahre benötigte. Im Fokus stehen Halbleiter, physische künstliche Intelligenz und Rechenzentren.



Südkorea: Billionen-Dollar-Plan für Chips und KI - Foto 1

Honam als neues Chip-Zentrum

Die erste Säule des Plans betrifft den Aufbau eines Produktionsstandorts in der südwestlichen Region Honam, die sich zum zweiten großen Industriezentrum des Landes nach dem Großraum Seoul entwickeln soll. Samsung Electronics und die SK Group investieren 800 Billionen Won in den Bau von vier neuen Werken in der Region. Samsung allein plant bis 2040 Inlandsinvestitionen in Höhe von 2.655 Billiarden Won, davon 625 Billionen Won gezielt für die regionale Entwicklung.



Südkorea: Billionen-Dollar-Plan für Chips und KI - Foto 2

Physische KI und Industrierobotik

Die zweite Säule zielt auf die Verschmelzung von künstlicher Intelligenz und Robotik. Südkorea will bis 2030 zur weltweit führenden Nation im Bereich physischer KI werden, KI-Roboter für zehn Industriezweige entwickeln und bis 2028 humanoide Roboter zur Marktreife bringen. Der Plan sieht die Ausbildung von 10.000 Fachkräften im Bereich KI-Robotik innerhalb von fünf Jahren vor.

Rechenzentren und technologische Eigenständigkeit

Die dritte Säule betrifft die KI-Infrastruktur. SK, die GS Group und Naver investieren rund 550 Billionen Won in den Bau von Rechenzentren mit einer Gesamtkapazität von 8,4 Gigawatt bis 2029, die bis 2035 auf 18,4 GW steigen soll. Die Gesamtinvestition in diesem Bereich wird 1.000 Billionen Won übersteigen, wobei im Inland entwickelten Chips und Software oberste Priorität eingeräumt wird.



Südkorea: Billionen-Dollar-Plan für Chips und KI - Foto 3

Globale Nachfrage treibt den Sektor an

Der Plan fällt in eine Zeit exponentiell wachsender globaler Nachfrage nach KI-Halbleitern. SK Hynix überschritt im Mai 2026, getragen vom Boom der Rechenzentren, eine Marktkapitalisierung von 1.000 Milliarden Dollar. Die südkoreanischen Exporte lagen erstmals über 100 Milliarden Dollar im Monat, vor allem dank Halbleitern.



Südkorea: Billionen-Dollar-Plan für Chips und KI - Foto 4

Regionaler Ausgleich unter direkter Aufsicht

Lee bezeichnete das Projekt als Frage des nationalen "Überlebens" und fügte hinzu, die Ergebnisse würden "die Zukunft Südkoreas für die kommenden 20 bis 30 Jahre bestimmen". Der Präsident will die Umsetzung des Plans persönlich überwachen und einen eigens dafür zuständigen Beamten ernennen. Die Ansiedlung der Werke außerhalb Seouls folgt einer Strategie des regionalen Ausgleichs, um dem Niedergang ländlicher Gebiete und der industriellen Konzentration in der Hauptstadt entgegenzuwirken.



Südkorea: Billionen-Dollar-Plan für Chips und KI - Foto 5

Ein komprimiertes Entwicklungsmodell

Das "Wunder am Han-Fluss" verwandelte Südkorea binnen 43 Jahren von einem kriegsverwüsteten Agrarland in eine Industriemacht. Der neue Plan komprimiert diesen Werdegang auf drei Jahre Planung und Umsetzung. Lee erklärte, eine "regional getragene KI-Industrierevolution koreanischer Prägung" schaffen zu wollen, die anschließend global ausgeweitet werden soll.