Wichtigste Erkenntnisse
- Produktionssteigerung: +188.000 Barrel pro Tag ab August, die fünfte aufeinanderfolgende Erhöhung der OPEC+.
- Rohölpreis: Der Brent-Preis fällt unter 72 Dollar pro Barrel und kehrt damit auf das Niveau vor dem Konflikt im Nahen Osten zurück.
- Geopolitisches Szenario: Die teilweise Wiedereröffnung der Straße von Hormus und ein Memorandum zwischen den USA und dem Iran belasten die Notierungen.
Das Kartell zieht die Zügel weiter an
Am Sonntag, dem 5. Juli, trafen sich sieben Mitglieder der OPEC+ – Saudi-Arabien, Russland, Irak, Kuwait, Kasachstan, Algerien und Oman – zu einer Videokonferenz und schlossen die Sitzung mit einer keineswegs überraschenden Entscheidung: Die Gesamtproduktion wird ab August um 188.000 Barrel pro Tag steigen. Es ist die fünfte monatliche Erhöhung in Folge, ein Weg, der in der schrittweisen Aufhebung der im April 2023 angekündigten freiwilligen Kürzungen wurzelt. Die offizielle Darstellung spricht von einer Unterstützung der Stabilität des globalen Energiemarktes, doch die Zahlen erzählen eine komplexere Geschichte.


Der Brent-Preis rutscht ab, der Effekt ist eher symbolisch als substanziell
Das Umfeld, in dem diese Entscheidung getroffen wird, ist für Ölverkäufer nicht das solideste: Der Brent-Preis ist unter 72 Dollar pro Barrel gefallen und hat damit das Niveau von vor dem Konflikt im Nahen Osten wieder erreicht. Ausschlaggebend dafür sind die teilweise Wiedereröffnung der Straße von Hormus und ein zwischen den USA und dem Iran unterzeichnetes Memorandum, zwei Faktoren, die die Spannungen auf den Energiemärkten abgekühlt haben. In diesem Zusammenhang gewinnt die Produktionssteigerung eher symbolischen als operativen Wert: Die Anlagen bleiben beschädigt, der Verkehr durch die Straße ist alles andere als normalisiert, und die tatsächliche Verfügbarkeit zusätzlichen Rohöls bleibt eine offene Frage.
Eine Imagepflege-Maßnahme nach dem Rückzug der Emirate
Der Schritt erfolgt zudem in einem Moment, in dem die Vereinigten Arabischen Emirate ihren Austritt aus der OPEC+ formalisiert haben, ein Vorgang, der das interne Gleichgewicht des Kartells neu ordnet. Die verbleibenden sieben Produzenten haben trotzdem ihre Flexibilität bekräftigt und lassen die Tür für Anpassungen der Pläne je nach Marktentwicklung offen. Der nächste Termin ist für den 2. August festgelegt, wenn sich zeigen wird, ob die Strategie der kontinuierlichen Erhöhung Bestätigung findet oder eine Bremse erfährt.
