Wichtigste Erkenntnisse

  • Investitionen: Die chinesischen Investitionen in den marokkanischen Automobilsektor haben seit 2020 die Marke von 6 Milliarden Dollar überschritten.
  • Technologie: Die Batterie-Gigafactory Gotion High-Tech in Kenitra hat einen Wert von 1,3 Milliarden Dollar und ist auf bis zu 6,5 Milliarden Dollar erweiterbar.
  • Marktauswirkung: Brüssel prüft eine Zolluntersuchung, da eine Umgehung des 45-Prozent-Tarifs auf chinesische Elektroautos durch marokkanische Triangulation befürchtet wird.

Kenitra, das neue Zentrum der Batterieproduktion

Marokko treibt die Elektromobilität voran. Das Gigafactory-Projekt von Gotion High-Tech in Kenitra soll im August 2026 die Produktion aufnehmen, wobei 85 Prozent der Kapazität für den europäischen Markt bestimmt sind. Rabat verfolgt das Ziel, eine integrierte Lieferkette aufzubauen, die eine jährliche Produktion von 500.000 Elektrofahrzeugen tragen kann, und festigt damit seine strategische Position als Fertigungszentrum für den Kontinent.



Marokko, China und Elektroautos: Brüssels Zoll-Alarm - Foto 1

Marokko, China und Elektroautos: Brüssels Zoll-Alarm - Foto 2

Brüssels Alarmsignal

Die Geschwindigkeit dieser industriellen Expansion bleibt den europäischen Institutionen nicht verborgen. Die Befürchtung, die von Handelskommissar Maroš Šefčovič offen ausgesprochen wurde, lautet, dass Peking das marokkanische Territorium als Umschlagplatz für seine eigenen Produktionsüberkapazitäten nutzt und damit die EU-Zölle von 45 Prozent auf direkt aus China importierte Elektroautos umgeht. Im Raum steht die Vermutung einer minimalen Bearbeitung der Komponenten, die lediglich formal ausreicht, um den lokalen Ursprung zu zertifizieren, bevor die Fahrzeuge in den Binnenmarkt gelangen.

Rabats Verteidigung und Pekings Schachzug

Der marokkanische Industrieminister Ryad Mezzour hat die Vorwürfe der Umgehung entschieden zurückgewiesen und dabei auf strenge Ursprungsregeln sowie einen substanziellen lokalen Wertschöpfungsanteil in der Produktion verwiesen. Vor dem Hintergrund dieser Spannungen hat China unterdessen einen Antrag auf ein bilaterales Freihandelsabkommen mit dem Königreich Marokko formalisiert – ein Schritt, der die Handelsstrukturen der Region neu gestalten und den Dialog mit der Europäischen Union weiter erschweren könnte.