Das Wichtigste in Kürze
- Neuer Produktionsstandard: Vier Hersteller bringen Smart Glasses ohne Kamera auf den Markt und setzen dabei auf Heads-up-Displays sowie KI-Assistenten für den professionellen Einsatz.
- Beteiligte Technologien: Even Realities G2, Xgimi MemoMind One, iFlytek AI Glasses und Jupiter JOVE Glasses Lite 1 setzen auf Waveguide-Displays und Simultanübersetzung in bis zu 122 Sprachen.
- Marktauswirkung: Der Markt für KI-gestützte Smart Glasses wird bis 2032 auf 3,01 Milliarden US-Dollar geschätzt, wobei betriebliche Produktivität als treibendes Segment gilt – nachdem integrierte Kameras bei anderen Geräten für Missbrauchsfälle sorgten.
Vier Hersteller haben 2026 Smart Glasses ohne Kamera und ohne Aufnahmefunktion vorgestellt, die ausschließlich auf professionelle Produktivität ausgerichtet sind. Diese Entwicklung erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem konkurrierende Modelle mit integrierter Kamera zunehmend in die Kritik geraten – insbesondere wegen datenschutzrechtlicher Bedenken.

Even Realities G2: reine Produktivität
Even Realities hat bei seinem Modell G2 vollständig auf Kameras und Lautsprecher verzichtet. Das Unternehmen begründet diese Entscheidung damit, dass sich Menschen in der Umgebung nicht mehr sorgen müssen, gefilmt zu werden. Das Gerät wiegt 35 Gramm und verfügt über ein monochromes grünes Heads-up-Display mit einer Helligkeit von 1.200 Nits. Die Displayfläche wurde im Vergleich zum Vorgängermodell um 75 Prozent vergrößert, die Bildwiederholrate liegt bei 60 Hz. Die Akkulaufzeit beträgt zwei Tage und lässt sich durch das Ladeetui auf bis zu sieben Ladezyklen erweitern. Zu den integrierten Funktionen zählen Terminverwaltung, Benachrichtigungen, Echtzeitübersetzung sowie ein Teleprompter-Modul für Präsentationen.
MemoMind One: Display ohne Objektiv
Xgimi bringt mit dem MemoMind One ein Modell auf den Markt, das auf einem Waveguide-Display basiert und Informationen direkt vor die Augen projiziert – ganz ohne optischen Sensor. Das Gerät wiegt rund 47 Gramm und bietet eine Akkulaufzeit von bis zu 16 Stunden. Das leuchtend grüne Display erinnert an die monochromen Oberflächen früher Personal Computer. Ein Tester von The Verge bezeichnete das Nutzungserlebnis nach einer Woche durchgehendem Einsatz als "vollständig überzeugend".
iFlytek: Übersetzung in 122 Sprachen
iFlytek stellte auf der BEYOND Expo 2026 in Macau seine AI Glasses vor, die 40 Gramm wiegen. Das System unterstützt Simultanübersetzung in 122 Sprachen und deckt Gespräche von Angesicht zu Angesicht, Telefonate, Online-Meetings sowie visuelle Texte ab. Kernstück ist ein multimodales Rauschunterdrückungssystem, das ein Array aus 5+1 Mikrofonen, optische Sensoren und Knochenleitung kombiniert, um die Stimme des Sprechers anhand der Lippenbewegung zu isolieren. Der integrierte KI-Assistent GlassClaw übernimmt Meeting-Transkriptionen, Informationsorganisation und den Versand von E-Mails.

JOVE Glasses Lite 1: Werkzeug für den Büroalltag
Jupiter hat mit der JOVE Glasses Lite 1 ein Gerät für den täglichen Arbeitseinsatz vorgestellt. Es wiegt 29 Gramm und erreicht eine Standby-Zeit von bis zu 72 Stunden. Der integrierte KI-Assistent Jenius übernimmt Vorlesefunktionen, Echtzeitübersetzung, die Erstellung von Präsentationen sowie automatische Erinnerungen.
Hintergrund: Bedenken zum Datenschutz
Der Trend hin zu kameralosen Geräten folgt auf mehrere Vorfälle im Zusammenhang mit Smart Glasses mit optischen Sensoren, die zur Aufnahme von Personen ohne deren Zustimmung im öffentlichen Raum genutzt wurden. Meta reagierte mit einem Update, das die Kamera bei Manipulation der Aufnahme-LED deaktiviert. Gleichzeitig testet das Unternehmen einen Prototyp mit der Bezeichnung "Super-Sensing", der in regelmäßigen Abständen Bilder aufnehmen und kontinuierlich Audiodaten erfassen kann.

Marktprognosen
Das Segment der auf betriebliche Produktivität ausgerichteten Smart Glasses gilt als Wachstumsbereich innerhalb eines Gesamtmarktes, der bis 2032 auf 3,01 Milliarden US-Dollar geschätzt wird. Die vier untersuchten Modelle folgen einem gemeinsamen Designprinzip: Der Verzicht auf optische Komponenten ermöglicht es, die Hardware vollständig auf Übersetzung, Benachrichtigungen und operative Unterstützung im Arbeitsumfeld auszurichten.
