Das Wichtigste in Kürze
- Wandelnde Skyline: Der zweite Roche-Turm erreichte eine Höhe von 205 Metern, übertraf damit seinen Zwillingsbau aus dem Jahr 2015 (178 Meter) und wurde zum höchsten Hochhaus der Schweiz.
- Architektur im öffentlichen Raum: Der von Vittorio Magnago Lampugnani gestaltete Novartis Campus vereint entlang der Fabrikstrasse, die nun öffentlich zugänglich ist, Werke von Frank Gehry, Tadao Ando, SANAA, David Chipperfield und Rafael Moneo.
- UNESCO-Weltkulturerbe: Seit 2017 ist der Morgenstreich, der rituelle Auftakt der Basler Fasnacht, als immaterielles Kulturerbe der UNESCO anerkannt.
Das Rheinknie
Basel liegt an jener Stelle, an der der Rhein eine scharfe Neunzig-Grad-Wendung vollzieht – eine geografische Biegung, die Jahrhunderte der Handelsgeschichte geprägt hat und bis heute das markanteste Merkmal der Stadt bleibt. Es ist der einzige Flusshafen der Schweiz, ein Übergangsort, an dem sich der deutsche Schwarzwald und die französischen Vogesen auf derselben Ebene begegnen und ein Grenzgebiet schaffen, in dem sich kulturelle Einflüsse ohne jede Rangordnung überlagern. Ein Spaziergang durch die Altstadt bedeutet, gotische Gassen zu durchqueren, die sich unvermittelt auf Plätze öffnen, die von Glas- und Stahlkonstruktionen beherrscht werden – ein fortwährender Dialog zwischen den Epochen, der keine Vermittlung sucht.


Die Betonsegel und die verbotene Stadt der Wissenschaft
Das Stadtbild Basels wurde von den einheimischen Architekten Herzog & de Meuron neu geschrieben – jenen, die auch das Vogelnest-Stadion in Peking entworfen haben. Ihre Roche-Türme erheben sich wie asymmetrische Segel über den Dächern der Stadt: Der erste, 2015 eingeweiht, erreichte 178 Meter und war jahrelang das höchste Hochhaus der Schweiz. Der zweite, erst vor Kurzem fertiggestellt, hob diesen Rekord auf 205 Meter an und prägte damit einen neuen visuellen Horizont für die gesamte Stadt.

Wenige Kilometer entfernt erstreckt sich der Novartis Campus, ein Komplex, der lange Zeit für die Öffentlichkeit unzugänglich blieb und heute nicht ohne Grund als "verbotene Stadt" der pharmazeutischen Forschung bezeichnet wird. Der von Vittorio Magnago Lampugnani entwickelte Bebauungsplan verwandelte das Areal in einen lebendigen Katalog zeitgenössischer Architektur: Jedes Gebäude trägt die Handschrift eines anderen Namens, von Frank Gehry über Tadao Ando bis zum Büro SANAA, David Chipperfield und Rafael Moneo. Die kürzlich erfolgte Öffnung der Fabrikstrasse, eines achthundert Meter langen Weges, ermöglicht es nun, diese Sammlung architektonischer Meisterwerke zu durchqueren, begleitet von Installationen von Künstlern wie Olafur Eliasson und Richard Serra – aus einem einst abgeriegelten Industrieareal ist so ein kulturelles Freiluftparcours geworden.

Das DNA-Labor und die motorlose Fähre
Basel zählt zu den weltweiten Zentren der Biotechnologie. In den Laboren von Roche und Novartis wird an Gentherapien und DNA-Kartierungen geforscht, in einem wissenschaftlichen Ökosystem, das Forscher aus aller Welt anzieht. Und doch, nur wenige Schritte von diesen hochmodernen Forschungszentren entfernt, wird der Rhein weiterhin von vier Fähren überquert – historischen Personenfähren ohne Motor. Allein durch die Strömung des Flusses angetrieben und geführt von einem zwischen den Ufern gespannten Seil, bringen diese Boote noch heute Pendler von einem Ufer zum anderen, in einer wesentlichen Fortbewegungsart, die sich im Laufe der Zeit kaum verändert hat. Der Kontrast zwischen den Laboren, in denen Genome kartiert werden, und diesen einzig von der Kraft des Wassers bewegten Fähren erzählt von einer Stadt, die ihre Rhythmen nicht angleichen muss.

Kunst, Nacht und der Marsch im Dunkeln
Jeden Juni wird Basel zum Schwerpunkt des zeitgenössischen Kunstmarkts – mit der Art Basel, der Messe, die weltweit die höchsten Umsätze der Branche bewegt und für eine Woche Galerien, Hotels und öffentliche Räume in eine einzige, weit verteilte Ausstellung verwandelt. Doch erst wenn die Sonne untergeht, zeigt die Stadt ihr anderes Gesicht. Am Rhein vertäut liegt der Nordstern, ein imposantes Frachtschiff russischer Herkunft, dessen Laderaum zu einem der bekanntesten Elektro-Clubs Europas umgebaut wurde – ein Ort, an dem sich der industrielle Klang des alten Schiffsrumpfes mit den Bässen der Konsole vermischt.
Der intensivste Moment des Jahres bleibt jedoch die Basler Fasnacht, allen voran ihr Auftakt, der Morgenstreich. Punkt vier Uhr morgens werden sämtliche Lichter der Stadt gleichzeitig gelöscht. Tausende maskierte Teilnehmer beginnen ihren Marsch in völliger Dunkelheit, begleitet vom schrillen Klang der Piccoloflöten und dem Schlag der Trommeln, ihre Gesichter nur vom Schein der riesigen, handbemalten Laternen erhellt, die sie auf dem Kopf tragen oder auf Wagen mit sich führen. Kein künstliches Licht unterbricht die Szenerie: Die gesamte Stadt vertraut sich drei Tage lang ununterbrochener Umzüge dem Dunkel und dem Feuer der Laternen an. Seit 2017 steht diese Tradition auf der Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO – eine Anerkennung, die die Einzigartigkeit eines Rituals bestätigt, das anderswo keine Entsprechung findet und weiterhin nach ungeschriebenen Regeln von Generation zu Generation innerhalb der Basler Fasnachtscliquen weitergegeben wird.
