Die wichtigsten Fakten

  • Zahlen der Operation: Das Projekt Isabelo versorgt täglich rund 1.800 Kinder in vier Grundschulen und mehreren Early Learning Centres in Franschhoek mit Mahlzeiten, bei einem erklärten Jahresziel von 336.980 nahrhaften Mahlzeiten insgesamt.
  • Der Wendepunkt: Im Jahr 2017 verließ Margot Janse die Sterneküche des The Tasting Room nach 22 Jahren und einem Platz unter den 50 besten Restaurants der Welt, um sich vollzeitig der Ernährungshilfe zu widmen.
  • Notfallreaktion: Während der COVID-19-Pandemie mobilisierte das Netzwerk Together Franschhoek, ebenfalls von Janse koordiniert, 14 Suppenküchen und verteilte zwischen 12.000 und 13.000 Mahlzeiten pro Woche.

Vom Sternerestaurant zum Township: eine Straße, zwei Welten

Es gibt eine Köchin, die zwanzig Jahre lang für die anspruchsvollsten Gaumen des Planeten kochte und dann entschied, dass Michelin-Sterne, internationale Auszeichnungen und der Titel als erste afrikanische Frau mit dem Relais & Châteaux Grande Chef-Status nicht mehr genügten. Sie heißt Margot Janse, gebürtige Niederländerin, in Südafrika ansässig, und war zwei Jahrzehnte lang die Küchenchefin des The Tasting Room in Le Quartier Français, Franschhoek – ein Restaurant, das dauerhaft in der Liste der 50 besten Restaurants der Welt stand. Die Geschichte dahinter wirkt fast filmreif: jeden Morgen eine Weggabelung. Links die gehobene Küche, ausgewählte Zutaten, tadelloser Service. Rechts, einen Kilometer entfernt, das Township, unverhüllte Armut und Kinder, die mit leerem Magen zur Schule kamen. Keine Metapher: Es ist die reale Strecke, die Janse jeden Tag zurücklegte – und die sie irgendwann nicht mehr ignorieren konnte.



Margot Janse: Vom Sternerestaurant zu Isabelo, dem Projek... - Foto 1

Isabelo: vom Freitagsmuffin zur Operation mit Tausenden Mahlzeiten

2009 entstand Isabelo, Feeding Hungry Minds, ein Name, der auf Xhosa "Teilen heißt Sorgen" bedeutet. Der Anfang war bescheiden: nahrhafte Muffins für 70 Kinder eines örtlichen Kindergartens, jeden Freitag zubereitet und unter direkter Beteiligung der Restaurantgäste verteilt. Wenige Monate reichten aus, damit das Projekt wuchs: Im September 2009 kam das Dienstagsmittagessen hinzu, im Februar 2010 das Mittwochs-Omelett, bis März desselben Jahres wurde der Kindergarten an jedem Schultag versorgt. Im Januar 2011 weitete sich die Initiative auf zwei weitere Kindergärten aus, im Januar 2012 explodierte sie regelrecht auf zwei Grundschulen mit 700 täglichen Frühstücken. Es war längst keine nette Geste einer aufgeklärten Köchin mehr, sondern eine organisatorische Maschine, die Jahr für Jahr wachsende Zahlen produzierte.



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Der klare Schnitt von 2017

Der Wendepunkt kam, als Le Quartier Français den Besitzer wechselte. Janse suchte nach 22 Jahren am Herd desselben Restaurants keine weitere renommierte Küche. Sie gab alles auf und "adoptierte" Isabelo, das fortan zu ihrer einzigen Mission wurde. Von da an wurde die Expansion strukturell: Heute deckt das Projekt vier Grundschulen in Franschhoek sowie mehrere Einrichtungen der frühkindlichen Bildung ab und garantiert Frühstück und Mittagessen für rund 1.500 Kinder nach konservativsten Schätzungen, die laut aktuelleren Daten auf 1.800 ansteigen. Die jährliche Zielmarke des Projekts ist in ihrer Konkretheit unmissverständlich: 40.600 warme Mahlzeiten, 296.380 gesunde Frühstücke, insgesamt 336.980 nahrhafte Mahlzeiten pro Jahr.



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Pandemie, echter Hunger und Suppenküchen

Im April 2020 geriet Südafrika durch COVID-19 ins Wanken. Schulen geschlossen, Tausende Beschäftigte aus Tourismus und Gastgewerbe in Franschhoek von einem Tag auf den anderen ohne Einkommen. Janse wartete nicht auf Anweisungen: Gemeinsam mit anderen Köchen des Tals folgte sie dem Aufruf "Kochen für die Gemeinschaft" und baute Together Franschhoek auf, ein Netzwerk aus Gemeindeleitern, Köchen und Freiwilligen, das 14 Suppenküchen aktivierte. Das Ergebnis: zwischen 12.000 und 13.000 Mahlzeiten pro Woche. Janse selbst beschreibt den Maßstabswechsel mit klaren Worten: "Jetzt arbeite ich in Tonnen." Keine Freitagsmuffins mehr, sondern industrielle Logistik, angewandt auf den Hunger einer ganzen Gemeinschaft, unterstützt zusätzlich von NGOs wie dem Pebbles Project, um warme Mahlzeiten auch auf Kinder im Vorschulalter auszuweiten.



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Die schonungslose Philosophie

Janse verpackt ihre Botschaft nicht: "Kein Kind kann mit leerem Magen lernen." Und sie fügt unumwunden hinzu, dass die von der Regierung bereitgestellten Schulmahlzeiten nie ausreichen, weil viele Kinder am Abend zuvor nichts gegessen haben. Das ist keine Pressemitteilungs-Rhetorik, sondern die operative Grundlage des gesamten Projekts. Diese Klarheit hat ein Unterstützungsnetzwerk geschaffen, das über Franschhoek hinausreicht. 2018 sammelte eine von The Dutch4Kids organisierte Wohltätigkeitsveranstaltung genug Mittel, um ein ganzes Jahr Betrieb für 1.500 Kinder zu decken. Unternehmen wie Valrhona sind seit 2019 direkte Partnerschaften mit Isabelo eingegangen, und Janse organisiert bis heute Wohltätigkeitsessen — zuletzt ein "Four-handed fine-dining" im Salsify im August 2025 — deren Einnahmen vollständig dem Projekt zugutekommen.

Das Modell, das sich vervielfältigen soll

Nach einem Intermezzo als Executive Chef im SAAM Restaurant in den Niederlanden kehrte Janse Anfang 2025 dauerhaft nach Südafrika zurück, um sich ausschließlich auf Isabelo zu konzentrieren. Das erklärte Ziel ist längst nicht mehr nur, Kinder in Franschhoek zu ernähren, sondern ein reproduzierbares Produktions- und Verteilungssystem aufzubauen, das andere Gemeinschaften übernehmen und schließlich selbst führen können. Keine dekorative Wohltätigkeit für Fotogelegenheiten, sondern eine Infrastruktur, die dafür konzipiert ist, ihre Gründerin zu überdauern. Die Sterneküche ist in diesem Fall eine berufliche Erinnerung geblieben: Der Teller, der heute wirklich zählt, bemisst sich in Tausenden von Frühstücken, die jeden Morgen jenen serviert werden, die sonst mit leerem Magen dastehen würden.